Unser Abenteuer 2016

für den Erinnerungspfad in Neuss


#teamavilius - Blog

ein wenig Ernstes, ein wenig Humor, ein wenig Witz, ein wenig Satire

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Tag 1 - Der Beginn - Diesel an, Augen geradeaus

1.Kurzetappe: Offizielle Verabschiedung am Memory-Zentrum 

"Schatz, haben wir auch nichts vergessen?", so sind wir Richtung Memory-Zentrum und mit vollgepacktem Auto gestartet. Vor Ort wurden wir dann von Mitarbeitern und Bewohnern bereits erwartet. Wir waren baff und haben uns über jeden Einzelnen gefreut, der uns verabschiedet hat. Und damit auch wirklich nichts schief geht, haben uns Herr Manfred Steiner und Frau Dr. Andrea Kuckert-Wöstheinrich - zu unserer Überraschung - den liebevoll selbstgebastelten Survival-Koffer überreicht: Mit reichlich Keksen, Pflastern und Deutschlandflagge kann also nun wirklich nichts mehr schief gehen. 

2. Kurzetappe: Motivations-Frühstückstreff mit Team Likedeeler und Team Polarkreisverkehr in Düsseldorf

"Liegt Euer Wagen auch so tief?" Dies war erstes Gesprächsthema beim gemeinsamen Team-Frühstück. Aber uns wurde sofort klar: Mit unseren 63PS starken Ford Granada, dem ausgemusterten DRK VW Bus von Team Polarkreisverkehr und dem ausgemusterten Volvo-Bestattungswagen von Team Likedeeler werden wir das Feld gemeinsam von hinten aufräumen. Nach kräftiger Stärkung ging es also los nach HH. Erster grober Jubel brach aus, nachdem unsere G'oldies den Anstieg auf der A46 geschafft haben. Juchu!!!

3. Kurzetappe: Auf gehts, ab geht's zur Perle an der Elbe

Unterwegs ist die Rallye Familie größer geworden: Drei weitere Teams sind zu uns gestoßen. Hier sorgen blonde Zöpfe oder echte Wikingerhörner als Glücksbringer für technisch sorgenfreie 7.500 km.
In Hamburg angekommen haben sich die ersten Teams bereits am Fischmarkt getroffen. Bei einer steifen Prise wurde mit einem kühlen Blonden angestoßen. Nach kräftiger Stärkung mit Burger und Wedges im Strandpauli hat es uns dann aber doch frühzeitig ins Hotel zurückgetrieben: Das war die letzte Nacht in einem normalen Bett. 

4. Jetzt geht's los: Offizieller Start in unser Baltic Sea Circle Abenteuer

Ab sofort heißt es Wild Camping! Nachdem der Morgen bereits mit Sonne und kräftigem Kaffee gut begonnen hat, kam der erste Schock: Der Viskolüfter ist kaputt. Warum das schlimm ist? Weil der Motor besonderes im Stadtverkehr nicht ausreichend gekühlt wird. Da standen nicht nur dem Motor sondern auch uns die Schweißperlen auf der Stirn. Doch hier zahlen sich bereits 60kg Werkzeuggepäck aus: Mit einer Schlauchschelle wurde improvisiert -auf das die Lösung nun für 7.500km hält. 
Anschließend haben wir unser Roadbook abgeholt. Und tatsächlich, die Veranstalter zeigen viel Mut zu Kreativität. Wir wollen an dieser Stelle nicht zuviel verraten, nur so viel: Ihr könnt Euch auf Ziegen, Pferde, Pippi Langstrumpf und evtl. auch (lustige) Zollbeamte freuen.

5. Der Wagen rollt, er rollt!!

Unsere erste Etappe geht von Hamburg über Dänemark nach Malmö und Sandhammaren. Kurz vor Sandhammaren wartet allerdings noch unsere Tagesaufgabe: Die traditionelle Wikinger-Weihe in AlesStena. Mit dänischem Sand, schwedischen Holz, echten Meerwasser und dem Küstenwind auf den Rücken ging es für jeden von uns auf allen Vieren um den höchsten Stein. Dieses Ritual bringt Glück für lange Reisen. Und dann um halb elf abends haben wir endlich unseren Campingplatz erreicht - die anderen Teams haben zum Glück noch ein Plätzchen für uns frei gehalten. Dank Stirnlampe und einem immer noch geduldigen Guido war unser Zelt noch vor Mitternacht aufgebaut - und das Feierabendbier mehr als verdient. Gute Nacht Schweden und bis morgen.

Hier einige Bilder dieser Etappe

Tag 2 - Von der karibischen Küste in das Land der Trolle


Kurzetappe 1: Tatsache, die erste Nacht in der freien Wildnis ist geschafft!

Zwar krähte kein Hahn, aber dafür haben uns Meeresrauschen im Einklang mit dem Schnarchen unserer Mitcamper geweckt. Allem in allem kann man also sagen, wir haben unsere Nacht problemlos gemeistert. Tief und fest geschlafen, hätten wir wahrscheinlich noch nicht einmal mitbekommen, wenn man uns das Zelt unter unserem Schlafsack weggeklaut hätte. Apropos: Die haben übrigens gehalten was sie versprechen: Wo Grönland draufsteht, ist scheinbar auch Grönland drin!
Unser erstes Learning an diesem Tag: Frischer selbstgebrühter Kaffee schmeckt an der frischen Luft gleich viel besser - und vor allem am weißen Sandstrand mit der Sonne am blauen Himmel. Da mussten wir uns gegenseitig gleich zweimal zwicken: Sind wir hier wirklich richtig oder hat man uns heimlich in die DomRep gebeamt?

Kurzetappe 2: Im Svenska Tantens Trägardscafe die innere Mitte finden

Auf dem Weg von Sandhammaren nach Jönköping haben wir einen kleinen Abstecher in Tante Svenkas Kunstcafe gewagt und sind völlig überraschend auf eine Idylle a lá Ferien auf dem Immenhof gestoßen. Bei malerischer Hof- und Felderkulisse betreten wir das Café und kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: An einer kleinen alten Holztheke wird frischer Kaffee mit selbstgebackenen Kuchen und Keksen von einer jungen Schwedin mit rotkarierter Schürze und Haube serviert. Da jeder Tisch und Stuhl ein antiques Unikat ist, weiß man gar nicht, wo man lieber Platz nehmen möchte. Aber das Wetter ist so schön, da entscheiden wir uns für die niedliche Holztischgruppe draußen. Mit dem Blick in die Sonne am blauen Himmel kommen wir ins Gespräch mit der Cafeinhaberin:  Die schwedische Bildhauerin Susanna Arwin. Susanna hat ein lebensgroßes Denkmal geschaffen, dass die Frau "Danuta Danielsson" zeigt, die mit Ihrer Handtasche einen Neo-Nazi in Växjö 1985 geschlagen hat. Damit reagierte die damals 38jährige Danuta gegen den wieder aufkeimenden Judenhass. Und plötzlich verstehen wir auch die Kunstausstellung in Susannas Café: Die Frau gegossen aus Blei oder Porzellan und all die aufeinander gestapelten Handtaschen. Im weiteren Gespräch erzählen wir von unserer Rallye und dem Hintergrund unserer Teilnahme. Susanna ist total begeistert und gibt uns noch zwei Aufkleber mit auf den Weg: Einer zeigt die Handtasche, die uns beschützen soll und der andere zeigt Danuta Danielsson, die anderen Autofahrer Geduld bringen soll, wenn es mal nicht schnell genug voran geht mit unserem G'Oldie. Zu guter letzt erhalten wir einen Spiegel von Susanna, als Zeichen dafür, sich seiner Vorfahren bewusst zu sein und die innere Mitte stets zu bewahren. So verlassen wir diesen wundervollen Ort der Idylle und machen uns voll motiviert und mit einem großen Lächeln auf den Lippen wieder auf den Weg.

Kurzetappe 3: Mit Sunday Pop durchs Smaland

Neben unserer üblichen Tagesaufgabe bietet sich plötzlich die Chance unsere Sonderaufgabe zu erledigen: Als Pippi Langstrumpf auf Kleiner Onkel alias Sunday Pop mit Herrn Nilsson auf der Schulter. Und wer sich jetzt wundert, wo der Affe auf dem Foto ist: Guido war einfach zu schwer. Aber da Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf als stärkstes Mädchen außergewöhnliche Kräfte besitzt, ist Herr Nilsson nur für Pippilotta sichtbar! 
Die zweite Sonderaufgabe schließt sich direkt an: Sunday Pop leistet unserem G'Oldie Start-Hilfe. Mit diesen Pferdestärken kann sich unser Schätzchen nicht messen:)

Kurzetappe 4: Den Findling finden

Rund um Vadstena treibt es uns hoch hinaus auf den Berg, um unsere Tagesaufgabe zu erledigen. Wir finden den Findling am höchsten Punkt auf den Berg und fahren direkt weiter nach Örebro.

Kurzetappe 5: Der Pfarrer mit der Klampfe auf dem Dach

Auf der Suche nach Team GinTourismo und Team Polarkreisverkehr, um das gemeinsame Nachtlager in Snavlunda aufzuschlagen, schlägt das Schicksal erneut zu: Ein Pfarrer mit Gitarre und Liederbuch kreuzt unseren Weg. Wir halten sofort an und erzählen ihm aufgeregt von der Rallye und unserem Projekt "Demenz - Gegen das Vergessen", denn auch hier haben wir Chance eine weitere Sonderaufgabe zu erfüllen. Pfarrer Hans-Eric ist überzeugt und macht sofort mit. Er steigt auf's Autodach und spielt für uns sein selbstkomponiertes Lied, in dem es um die Kirche und die Gemeine Snavlunda geht. Wir sind mal wieder baff und dann restlos sprachlos, als er uns und Team Likedeeler, Polarkreisverkehr und GinTourismo anbietet, auf dem Kirchengelände zu campen. Wir dürfen sogar deren Gemeinschaftsräume und Toiletten benutzen. Wir überlegen nicht lange und sagen sofort ja. Pfarrer Hans-Eric überlässt uns das Haus der Kirchengemeinde bedenkenlos. Beim gemeinsamen Abendessen sind wir uns alle einig: Diese selbstverständliche Gastfreundschaft ohne irgendwelche Vorurteile ist etwas ganz Besonderes!

Tag 3 - Auf der Schotterpiste bis nach Östersund

Kurzetappe 1: Auf Wiedersehen Elvis und Willkommen Nessie

Und wieder haben wir eine weitere Nacht in der Natur geschafft. Wir sind zufrieden und wohlauf und müssen lachend feststellen, es hat sich bereits Routine eingestellt. Zunächst beginnt das gemeinsame Kaffeekochen und dann wird das Zelt mit Schlafsäcken im Auto verstaut. Es folgt die Morgentoilette:  Da nutzt man - in unserem Fall wohl eher Frau - direkt die Chance zum Haare waschen, denn wer weiß, wann wir wieder ein normales Badezimmer zu Gesicht bekommen.
Zum Abschluss verabschieden wir uns von Pfarrer Hans-Eric und bedanken uns nochmal für seine Gastfreundschaft. Und plötzlich zückt er noch ein kleines Abschiedsgeschenk hinter dem Rücken hervor: Ein Album mit Elvis Greatest Hits gespielt und gesungen von ihm, seiner Frau und seinen Kindern. Tja' 78 war der CD Player noch nicht erfunden - und da Pfarrer Hans-Eric seine Elvissongs nicht mal eben im passenden G'Oldie Kassettenformat parat hat, versprechen wir - Achtung Wortwitz - hoch und heilig in die CD nach unserer Rückkehr reinzuhören.

Kurzetappe 2: Go G'Oldie Go

Heute heißt es also, Strecke machen. Wir machen uns auf den 650km langen Weg nach Östersund. Und neben einer neuen Tagesaufgabe überraschen uns heute die Schweden mit einer weiteren Herausforderung: Plötzliche Vollsperrung auf der Landstraße. Jetzt zeigt sich die Rallye von ihrer wahren Seite. Wir fahren ca. 50km Offroad durch den Wald in Venja. Vor lauter kraterartigen Schlaglöchern und meterlangen Spurrillen bekommt der Fahrer rote Panikflecken im Gesicht und der G'Oldie zeitweise Schnappatmung. Nachdem wir insgesamt zweimal auf einen Stein aufgesetzt haben, gab es zum Glück Entwarnung: Zwar hat unser Schätzchen zwei mächtige Kerben an beiden hinteren Dreieckslenkern (für alle, denen das nichts sagt: Ein Bauteil an der Einzelradfederung), aber die Rallye müssen wir deswegen nicht vorzeitig beenden.
Zurück auf der Landstraße grüßt uns in Östnar eine echte Elchkuh am Waldesrand und wir schaffen es sogar auf 692Meter über Meeresspiegel. 

Kurzetappe 3: Mit dem Mückenstich am Po sind wir nun K.O.

Was lange währt, wird endlich gut. Um zehn Uhr abends haben wir endlich einen wunderschönen Schlafplatz gefunden. Am Störsjön, den fünftgrößten See Schwedens, schlagen wir unser Zelt auf. Storsjöodjuret - das schwedische Nessie - will uns zwar leider nicht begrüßen, doch dafür erwartet uns bereits der Angriff der Killermücken. Kaum ging die Autotür auf, heißt es: "Schatz, wo haben wir denn nur das Nobite hingepackt?" Als zwei wandelnde Chemiewolken konnten wir dann also in Ruhe das Essen vorbereiten. Aber von wegen, kaum stand der Hühnernudeltopf auf dem Kocher, setzten Wind und Regen ein. Team GinTourismo sah es positiv: "Wind und Regen vertreiben die Mücken." Mit heißem Hühnernudeltopf im Bauch ging es dann in den Schlafsack. Gute Nacht Schweden, morgen geht es weiter!

Tag 4 - Durch das Tor des Nordens in das Land der Fjorde

Kurzetappe 1: Schnell noch die Tagesaufgabe erledigen


Guten Morgen Störsjöodjuret! Da sich das schwedische Seeungeheuer auch heute nicht zeigt, erledigen wir eben die alternative Tagesaufgabe: Auf dem Autodach sitzend mit der Angel in der Hand fangen wir uns den Surströmming - eine typische bekannte schwedische Fischspeise, bei der Hering durch Säuerung konserviert wird. Wenn man sagt, dieser riecht intensiv, faulig und stinkend, ist dies noch untertrieben. Da dieser dann aber leider doch nicht im See zu finden ist, haben wir den Hering natürlich noch am Vorabend im Supermarkt gekauft.
Nachdem Zelt und Co wieder im Auto verstaut sind, wird der stinkende Alptraum nun zu ekelerregender Gewissheit: Wir öffnen die Dose und fotografieren den Kilometerstand, denn jetzt heißt es: Gemeinsam mit Surströmming im bzw. am Auto geht es auf die erste 200km-Etappe an diesem Tag.

Kurzetappe 2: Schmuggeln, ja oder nein?


Zwischen See Rengen und See Stor-Kingen passieren wir die norwegische Grenze und müssen feststellen: All die Aufregung umsonst. Was war passiert? Kurz vor Grenzübergang galt es die Alkoholvorräte zu checken und zu entscheiden: Was muss weg und was darf bleiben? Denn wer Norwegen kennt, weiß, dass die Grenzbeamte hier keinen Spaß verstehen. Es drohen locker 200-650€ Strafe. Für uns galt: 3Liter Wein (2,5-22 Vol.-%) und 2Liter Bier (über 2,5 Vol.-%) dürfen mit. Also musste der angebrochene italienische Rotwein leider am Waldesrand zurück bleiben. Und dann die Überraschung. Kein Grenzposten geschweige denn Grenzbeamte weit und breit. Der arme Rotwein, der jetzt frierend alleingelassen am Waldesrand steht. Aber wir sind uns sicher: Den nächsten schwedischen Jäger wird es freuen:)

Kurzetappe 3: Nur die Harten kommen in den Garten!


Nach 200km halten wir an und dürfen nun endgültig unsere Tagesaufgabe als beendet erklären. Mit dem Foto vom Sürströmming vor dem Tachostand demonstrieren wir echte Härte. Doch weit gefehlt: Katrin aus Team Likedeeler ist härter. Sie probiert sogar den Fisch (!!!) und das ganz zum Leid Ihres Mannes Matthias: "Also knutschen ist jetzt erstmal nicht mehr." Mit Katrin können wir zwar nicht mithalten (keiner von uns verspürt wirklich Lust, den Ekelfisch zu probieren), aber der nicht schwindende Gestank im Auto ist Herausforderung genug.

Kurzetappe 4: Wicki heißt uns willkommen im skandinavischen Midsommer


Mit Süßigkeiten und Witzen wird der Fahrer bei Laune gehalten. Und so geht es ruck zuck, dass wir bei traumhafter Wald- und Bergkulisse das Tor des Nordens passieren. Das farbige und hölzerne Tor "Nord Norge" überspannt die gesamte Europastraße 6 zwischen Nord-Trøndelag und Nordland und symbolisiert das Nordlicht. An diesem Ort wird dann auch die Co-Pilotin zu einem echten Wikinger-Mädchen. Wir kommen noch ins Gespräch mit dem Verkäufer im Souvenir-Shop und auch er ist begeistert von der Rallye. Spontan gibt er uns einen leckeren frischen Kaffee aus und so kann es weiter gehen Richtung Mo I Rana.

Kurzetappe 5: G'Oldie goes Gletscher

 

Auf dem Weg nach Mo I Rana ist zu unserem Glück die Europastraße plötzlich gesperrt. Der Umweg führt uns dadurch über und auf die Berge rund um den Svartisen Gletscher. Hier hat unser G'Oldie schwer zu kämpfen: Mit Durchschnittstempo 20km/h quälen wir uns die Berge hinauf. Oben angekommen sieht unser G'Oldie dann das erste Mal Schnee auf dieser Reise und für einen kurzen Moment werden wir nervös: "Sind unsere Autoreifen eigentlich schneekompatibel?" Aber zum Glück nimmt der Schnee nicht weiter zu und wir halten stolz die Rallye-Fahne in den Wind, bevor es weiter Richtung Bodo geht.
Am 66' 33' N erreichen wir unser Zwischenziel: den Polarkreis. Unser erstes Rallye-Ausflugs-Highlight ist damit geschafft. Ein schnelles Foto vor dem offiziellen Polarkreisdenkmal und weiter geht's!

Kurzetappe 7: Zuckerbrot und Peitsche für unseren G'Oldie

 

Das heutige Tagesziel lautet Gimsoya auf den Lofoten. Mit der Fähre soll es von Bodo nach Moskenes gehen. Eigentlich liegen wir gut in der Zeit, doch ebenso wie in Schweden halten auch die Norweger eine Überraschung für uns parat. Vor dem Tunnel bei Rognan hieß es erst einmal: Stop, hier geht es nicht mehr weiter. Da half auch alles Erzählen und Erklären bei der hübschen Straßenbauleiterin nichts. Der Tunnel blieb bis mindestens 23:00Uhr gesperrt. Und was dann folgt, kennt man eigentlich nur aus Hollywood. Wir wählen die Umgehungsroute und treiben unseren G'Oldie mit durchgedrücktem Gaspedal hoch auf den Berg. Mit der Zeit stets im Nacken wurde das Ganze nicht nur zu einem Wettlauf gegen die Zeit, sondern auch ein Hürdenlauf über Schafe, die ihr Nachtlager bereits auf der Bergstraße aufgeschlagen hatten. Mit wehenden Fahnen und quietschenden Reifen kommen Fahrer und Auto völlig aus der Puste just-in-time auf der Fähre an.
Und wer jetzt denkt, jetzt können Fahrerteam und Auto ausruhen, der irrt: Bei schwerer See und meterhohen Wellen, die teilweise sogar das Oberdeck der Fähre unter Wasser gesetzt haben, wurde es plötzlich ganz still auf der Fähre.  Zwar dominierte bei uns der Schlafmangel aber bei dem ein oder anderen ging der Magen dann doch in die Knie.

Kurzetappe 8: Mitternacht und es ist immer noch hell

 

Es ist 05:15 morgens und wir sind endlich auf den Lofoten angekommen. Nachdem wir die bisherige Landschaft schon als atemberaubend empfanden, fehlen uns hier nun endgültig die Worte. Über die Brücke a lá Golden Gate Bridge geht es umringt von hiesigen Bergen an der Küste entlang nach Gimsoya. In der Nähe von Eide ruhen wir uns kurz aus, bevor wir beschließen, die Fahrt Richtung Tromsø fortzusetzen.

Tag 5 - Etappenjagd auf der braunen Granada-Couch

Kurzetappe 1: Deftiges Frühstück a lá SweetHome

Auch auf den Lofoten erwartet uns Gastfreundschaft. Wir machen Stop an einem Campingplatz, wo wir gegen kleines Geld eine heiße Dusche bekommen und deren Aufenthaltsraum für ein Frühstück nutzen dürfen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und gönnen uns Rührei mit Tomaten und Zwiebeln. Nach einer heißen Dusche und der Thermoskanne gefüllt mit frischem Kaffee geht es weiter nach Tromsø.

Kurzetappe 2: Ein gutes Geschäft

Wir lassen Narvik hinter uns und stoßen auf ein riesengroßes Norwegen-Tippi rechts an der E6: Eine Touri-Falle? Egal, wir sind neugierig und halten trotzdem an und stoßen auf einen klassischen Souvenirshop, in der Mitte ein großes Lagerfeuer. Da haben wir die Idee: In Hamburg haben wir eine Büroklammer erhalten, die wir in jedem Land in etwas anderes eintauschen müssen. Nachdem wir durch unseren Tausch in Deutschland, Dänemark und Schweden es bis zum selbstgemachten Apfel-Preiselbeere-Glühwein geschafft haben, lauert hier nun ein weiteres Tauschgeschäft. Der Glühwein kommt direkt gut an - auch wenn er alkoholfrei ist - und wir dürfen uns etwas aus dem gesamten Shopsortiment aussuchen. Wir schauen uns alle Artikel an und fragen uns jedes Mal: Was können die Finnen wohl gut gebrauchen? (Denn dort wartet ja der nächste Tauschhandel.) Die Wahl fällt auf eine warme Wollmütze! Denn sollte in Finnland genauso schlechtes Wetter sein wie bisher in Norwegen, dann ist eine Mütze nie verkehrt. Im Gespräch mit dem Shopbesitzer stellt sich heraus, dass er die Rallye bereits aus dem letzten Jahr kennt. Wir waren also nicht die Ersten, die hier ein Tauschgeschäft gewittert haben.

Kurzetappe 3: Wild Camping pur!

Kurz vor Tromsø entdecken wir den perfekten Platz für unser heutiges Nachtlager: Direkt am Ramfjorden mit Blick aufs Wasser und die Norweger Berge. Doch heute ist der Zeltaufbau alles andere als einfach: Auf steinigem Boden hoffen wir, dass der Zeltboden nicht reißt. Denn was das für die weitere Tour bedeuten würde, wollen wir uns hier an dieser Stell gar nicht erst ausmalen. Aber gut, dass wir die IKEA Plane eingepackt haben - als Untergrund für den Untergrund kann diese 5€ Investition nun zeigen was sie kann. Es regnet nasse Hunde, aber wir lassen uns nicht entmutigen. Bei Starkregen und endlich aufgebautem Zelt genießen wir unser Glas Rotwein bei einer heißen Gulaschsuppe heute einmal IM Zelt. Irgendwie klar, dass kurz danach der Regen aufhört und die Sonne scheint. Und da krabbeln nicht nur wir, sondern auch die Mücken aus ihrem Versteck hervor. 
Gute Nacht Norwegen und bis morgen Tromsø, wir freuen uns schon auf dich.

Tag 6 - Die fröhlichen Fjord-Ford-Flitzer


Kurzetappe 1: Mit Hugin und Munin auf der Schulter in Tromsø

Heute gibt es Abwechslung auf unserem Speiseplan: Zum ersten Mal wird sich bei Kaffee und Müsli gestärkt. Das gibt Kraft für den Tag. Wir haben uns ein wenig Zeit erfahren und beschließen, uns in Tromsø noch ein wenig umzuschauen, bevor es Richtung Nordkapp geht. Zunächst peilen wir die örtliche Grundschule inkl. Fußballplatz an. Lauter Kinder in kunterbunten Regenmänteln begrüßen uns fröhlich aber auch irritiert: Wer sind die und warum fahren die so ein komisches Auto? Wir sprechen eine Lehrerin an, ob Sie und die Kinder uns bei unserer heutigen Tagesaufgabe unterstützen wollen: Team Avilius holt die EM nach Norwegen und tritt gegen das Team-Tromsø an. Doch leider dürfen wir die Kiddis nicht fotografieren, also muss eine Lehrerin her halten und geht für Norwegen ins Tor. Nach einigen Elf-Meter-Schüssen einigen wir uns auf unentschieden und fahren weiter Richtung Innenstadt.
Und wie der Zufall es so will, erledigen wir dort eine weitere Sonderaufgabe gemeinsam mit Ladenmanagerin Monica Indianna Hay. Übrigens die einzige Frau auf der Welt mit genau diesem Namen, wie sie uns stolz erklärt. Was genau wir zusammen mit Indianna geschafft haben, dazu in den nächsten Tagen mehr :)
Ganz im Sinne des Wahrzeichens Tromsø, die Begleit- und Helferraben Hugin und Munin für weite Wanderungen, setzen wir unsere Rallye nun fort.

Kurzetappe 2: Alta Schwede, nein Alta Norweger 

Gut das wir den Lötbrenner eingepackt haben. Denn auf der ersten heutigen Zwischenetappe von Tromsø nach Alta begegnen wir Team 113 "Sugar" mit ihrem Fiat Dukato. Stoßdämpfer samt Blech am rechten Hinterrad lagen abgerissen neben dem Auto. Wir versuchen zu helfen und spenden unseren Lötbrenner mit dem ein Stück Plastik von einem umherliegenden Kanister in die offene Stelle reingebastelt wird. Von unterwegs erhalten wir später die Nachricht, dass der Wagen läuft. Wir drücken weiterhin die Daumen, dass wir uns inkl. Auto im Ziel in Hamburg wiedersehen.

Kurzetappe 3: Durch die nasse Wüste des Nordens

Heute zieht sich die Strecke ganz schön! Umso fröhlicher sind wir als wir endlich Alta erreichen. Dort verschwenden wir keine Zeit und düsen weiter gen Norden, das Nordkapp im Visier. Auch auf dieser Etappe jagt ein Fjord das Nächste und auch ausreichend Baustellen halten die Norweger wieder für uns parat. Ist es da wohl Zufall, dass wir genau dort auf ein Schild treffen: Hotel in 8km? Doch mit voller Thermoskanne Kaffee fahren wir weiter, und dann der Schock: Mjölk i Bil!! Beim nächsten Stop wurden also erstmal Fußmatte und Co unter frischem Bergquellwasser ausgewaschen. Mit der sauberen aber dafür klitschnassen Fußmatte auf dem Dach ging es dann wieder zurück auf die Piste. Unterwegs grüßten uns die Schafe und die Rentiere.

Kurzetappe 4: Magnus, der Angler

Auf der E6 kann unser G'Oldie wieder zeigen was er kann. Bei 588Meter über Meeresspiegel umfahren wir die Berge bei Sennalandet. Oben angekommen haben wir eine Aussicht so weit das Auge reicht. Nach ein paar wunderschönen Aufnahmen fahren wir weiter. Von der E6 auf die E69 legen wir nochmal eine kleine Verschnaufpause ein und treffen auf Angler Magnus. Er ist gebürtiger Norweger und macht gerade eine Woche Angelurlaub. Dieses Mal allein, sonst aber auch gemeinsam mit seinem Sohn: "Eigentlich wollte ich ihn überreden mitzukommen. Damit er einmal abschalten kann von seinem Hausbau. Ganz ohne Handy oder sonstigem Kontakt zur Außenwelt weg vom üblichen Alltagsstress." Wir erzählen Magna, wie beeindruckt wir von der Natur und Vegetation in Norwegen sind. Er lächelt und stimmt uns zu, erzählt uns aber auch, dass man bereits erlebt, wie sehr sich die Natur durch den Menschen negativ verändert hat. Der Schnee ist nicht mehr weiß sondern leicht gelb durch mitgeschlepptem Saharasand und auch die Gletscher schmelzen immer mehr. Mit gemischtem Bauchgefühl fahren wir weiter, einerseits froh darüber Magnus kennengelernt zu haben und andererseits traurig, dass wir selber diese wunderschöne Natur zerstören.

Kurzetappe 5: Nordkapp, wir kommen!

Vorbei am Virošgletscher peilen wir Honningsvåg an. Unterwegs machen wir zweimal stop: Guido versucht Ziegen zu fangen, um vielleicht doch noch eine weitere Sonderaufgabe zu erledigen. Beim zweiten Versuch kriegt er zwar das Hinterbein des schwarzen Lämmchens zu fassen, aber irgendwie haut es dann doch unter der Leitplanke hindurch ab. Tja, heute gibt es dann wohl keine Ziege am Steuer unseres G'Oldies. 
Auf der letzten Strecke von Honningsvåg zum Nordkap wird unser G'Oldie dann wieder auf die Probe gestellt. Durch einen 8km langen Tunnel mit 10% Steigung und einem Pass quer über die Bergkette mit gleicher Steigung kämpfen wir uns durch. Doch nicht nur die Straße ist eine Herausforderung, sondern auch die Kamikaze Busfahrer, die uns mit einer Geschwindigkeit überholen oder entgegenkommen, dass wir manchmal einfach nur die Augen zukneifen und hoffen, dass nichts passiert.
Oben angekommen werden wir zwar leider von grauem Nieselwetter und steifer Brise begrüßt, aber das ist uns egal: Wir sind unglaublich stolz, es bis hierhin geschafft zu haben. Das Foto vor dem Globus ist hier natürlich Pflichtprogramm. Doch wir lassen es uns nicht nehmen, unseren G'Oldie auch vor dem Denkmal der Kinder der Welt zu positionieren.  Das Denkmal der Kinder der Welt am Nordkap wurde von sieben Kindern aus verschiedenen Teilen der Welt gestaltet und 1989 errichtet. Es wurde von 7 Kindern aus verschiedenen Kontinenten gestaltet und 1989 errichtet. Es symbolisiert Freundschaft, Frieden und Zusammenarbeit auf der ganzen Welt. 

Kurzetappe 6: Da steht ein Rentier am Zelt

Vorbei an Honningsvåg, Repvåg, und dem Smørfjord geht es also auf gleichem Weg wieder zurück. Am Kistrand schlagen wir dann unser Zelt auf. Um dieses Mal die lästigen Mücken zu verjagen, schaffen wir es trotz Müdigkeit noch, ein Lagerfeuer zu machen. Das vertreibt erfolgreich die surrenden Plagegeister, aber lädt vier Rentiere ein, mal am Zelt vorbei zu kommen. Verblüfft über den tierischen Besuch und mit Blick auf den großen Porsangerfjorden schlafen wir eingemummelt in unserem Schlafsack ein.

Tag 7 - Auf ins Land der tausend Seen

Kurzetappe 1: Frische Krabben zum Frühstück?

Geküsst von den Sonnenstrahlen im Zelt werden wir wach. Und auch das Ehepaar im Camper etwas weiter weg ist wach geworden. Sie kochen ihre frisch gefangenen Krabben und laden uns zum Frühstück ein. Doch es ist bereits Mittag und wir möchten noch heute die Grenze nach Finnland passieren. Daher müssen wir leider ablehnen und nehmen Abschied von diesem wunderschönen Campingspot. So geht es erstmal back on the Road Richtung Lakselv.

Kurzetappe 2: Pekka, der finnische Grenzbeamte

Und der G'Oldie schnurrt wie eine norwegische Wildkatze. Von Lakselv geht es weiter nach Karasjok und kurz darauf kommen wir an der finnischen Grenze an. Kaum in Sicht der Grenzbeamten werden wir auch schon direkt herausgewunken. Und so lernen wir den finnischen Grenzbeamten Pekka kennen, der erstmal wissen will, was uns mit solch einem Auto nach Finnland verschlägt. Wir erzählen von der Rallye, unserem Projekt und von all den Aufgaben, die wir erledigen müssen. Und wir haben Glück: Dank Pekka schaffen wir eine weitere Sonderaufgabe. Den Edding gezückt unterschreibt er auf unserem G'Oldie und macht ein Foto mit uns. Er wünscht uns noch eine gute Fahrt mit dem Tipp: Vermeidet die Russen!

Kurzetappe 3: Eine finnische Sauna mitten im Nirgendwo

In Sevettijärvi, kurz vor Kilkenes, stoßen wir mitten im Nirgendwo auf Porotila Toini Sanila - eine Art Ferienlager mit Hotelcharakter. Nachdem wir dort mit großer Begeisterung empfangen wurden, beschließen wir spontan dort zu übernachten. Kaum zu glauben aber wahr: Uns erwarten heiße Dusche, finnische Sauna und Holzhäuschen mit offenen Lagerfeuerspot. Für einen kleinen Unkostenbeitrag bekommen wir dann ein Zimmer mit vier Hochbetten: Da müssen wir lachen, irgendwie wie damals auf Klassenfahrt. 
Und so wird heute natürlich frisch gekocht. Zur Vorspeise gibt es gegrillten Maiskolben und zum Hauptgang Gnocci a là Guido mit frischen Möhren, Tomaten und Zwiebeln. Einfach unglaublich wie gut das schmeckt!!!! Und wie der Zufall es so will, haben wir noch einen feucht-fröhlichen Abend mit dem finnischen Ehepaar Ari und Eini und Hotelbesitzerin Miina. Gemeinsam bei einem Glas italienischen Rotwein, den wir beisteuern, erzählen und lachen wir herzlichen über deutsch-finnische Anekdoten. Und auch unseren Tauschdeal können wir hier durchführen: Für die norwegische Wintermütze erhalten wir teuren Finnischen Wodka, denn Ari ist sich sicher: Russen brauchen immer Wodka! Eins steht nach diesem Abend fest: Hier sind wir jeder Zeit wieder Willkommen. 

Tag 8 - Finnisch Famos

Kurzetappe 1: Haltet Abstand vom Russen

Heute stehen wir ganz ohne Wecker auf und genießen stattdessen eine ausgiebige heiße Dusche inmitten der finnischen Seenlandschaft. In unserem Zimmer a lá Jugendherberge bereiten wir uns ein klassisches deutsches Frühstück zu: Vollkornbrot herzhaft mit Salami oder süß mit Honig.
Danach begrüßen wir Miina und Ari im Aufenthaltsraum. Wir erzählen von unserer nächsten Etappe nach Kirkenes und beide staunen und fragen: Seid Ihr Euch da ganz sicher alleine nach Russland einzureisen? Wir kommen ins Zweifeln und nehmen Kontakt mit Team GinTourismo und Polarkreisverkehr auf. Letztendlich beschließen wir lieber auf Nummer sicher zu gehen. Und da wir eh ein Tag voraus sind, machen wir heute autofrei und starten morgen in Kolonne nach Russland. 

Kurzetappe 2: Das letzte Einhorn im Wald

Bewegung tut gut - gemeinsam wandern wir ca. 5km rund um die Seen am Hostel. Das ist der Körper nach dem vielen Auto fahren gar nicht mehr gewohnt. Überall sehen wir die Spuren von Rentieren, aber es lässt sich leider keins blicken. Dafür sind die finnischen Mücken unsere stetigen Begleiter. Gefühlt zu Hunderten verfolgen Sie uns erbarmungslos. Und als ob das nicht genug wäre, steht doch tatsächlich ein Baum mitten im Wald. Trotz Warnung von Guido läuft Frede direkt davor - das letzte Einhorn wäre damit auch gefunden! Zurück an der Herberge können wir die Mückenstiche gar nicht mehr zählen. Und wir dachten nur die russischen Mücken sind mit Stahlstachel ausgestattet und ab wann droht eigentlich ein anaphylaktischer Schock?

Kurzetappe 3: Rentierragout an Preiselbeerjus

Die anderen Teams sollten bald eintreffen.  Wir warten so lange im Hostel und dort duftet es bereits köstlich, denn Miina bereitet ein deftiges Mitagessen für Ihre anderen Gäste vor. Ari bereitet währenddessen sein Boot vor, um dann mit seiner Frau raus aufs Wasser zum Angeln zu fahren. Nachdem die anderen Gäste satt und zufrieden das Hostel wieder verlassen haben, werden wir spontan von Miina zum Mittagessen eingeladen. Sie serviert uns Renntierragout mit Kartoffelbrei und Preiselbeerjus, dazu ein kleiner Salat mit typisch dunklen finnischen Brot. Damit die Deutschen endlich einmal wissen, wie Rentier schmeckt. Und in diesem Zusammenhang klärt uns Miina über das Bild der Deutschen in Finnland auf: "Achtung, Achtung wo ist mein Panzerwagen?" und "Jawohl, jawohl ich liebe Alkohol!" spricht Miina mit niedlichem Akzent die einzigen deutschen Sätze, die sie kennt. Wir prusten vor Lachen, doch das was dahinter steckt, ist eigentlich gar nicht lustig. Im zweiten Weltkrieg haben die Deutschen auf ihrem Rückzug alle Häuser abgebrannt. Damit wurden den finnischen Familien die gesamte Lebensgrundlage entzogen. Zumal durch Klima und geografische Lage ein Neuaufbau mehr als schwierig war. Aber wir kommen trotzdem zu dem Schluss, dass die neue Generation sich offen gegenüber treten sollte. Und dann fahren auch schon die anderen Teams vor.

Kurzetappe 4: Da wird er ganz klein

Kaum sind die anderen Teams da, geht der Spaß erst richtig los: Alle Mann gemeinsam in See! Bei gefühlten 0Grad springt Mann ins Wasser und wird ganz klein. Schnell Posen für das Beweisfoto und ab in die Sauna zum Aufwärmen. Anschließend werden Fleischvorräte beim gemütlichen Lagerfeuer so gut es geht vernichtet. Denn morgen wartet die russische Grenze auf uns und frische Lebensmittel - insbesondere Fleisch - kriegt man da nicht reingeschmuggelt. Mit vollem Bauch und nach Grillrauch duftend wandern wir schließlich alle ins Bett. Die Mücken folgen uns dieses Mal nicht - scheinbar stinken wir wirklich!

Tag 9 - Zittern vor den Roten

Kurzetappe 1: Wer hat denn da an der Uhr gedreht?

Der Wecker klingelt früh und es fühlt sich gar nicht so an, als ob wir geschlafen hätten. Aber wir wollen die Ersten an der russischen Grenze in Kirkenes sein. Und so geht es Ruck Zuck ins Auto. Miina können wir leider nicht mehr persönlich verabschieden, dafür ist es zu früh. Aber wir haben ja unsere Kontaktdaten ausgetauscht. Und falls uns etwas in Russland passiert, dürfen wir sie anrufen.
An der russischen Grenze sind wir fast die Ersten - vor uns stehen zwei russische Reisebusse voll (Achtung Wortwitz) mit Russen. Wir sind zwar super pünktlich, aber irgendwie bleibt das Tor verschlossen. Und dann fällt es uns plötzlich wie Schuppen von den Augen, auf der kurzen Strecke nach Kirkenes haben wir die Zeitzone übersehen und sind eine Stunde zu früh. Also heißt es Bibbern und Zittern vor Kälte und Anspannung. Dann geht es los: Die russischen Grenzbeamte verstehen wirklich keinen Spaß. Pässe und Visum wurden genauestens kontrolliert und studiert. Bei der temporären Einreiseanmeldung unseres G'Oldies mussten jegliche Änderungen in unserem vorausgefüllten Formular mit einem weiteren Formular schriftlich bestätigt werden. Nachdem also der bürokratische Teil der Einreise erledigt war, folgte der anstrengende Teil. Wir wurden auseinander genommen und Guido durfte tatsächlich das ganze Auto auspacken. Frede, der Passagier, musste leider abseits warten und konnte somit nur zusehen. Als der Grenzbeamte dann unsere grüne Bundeswehrbox auf der Rückbank entdeckt hatte, bekam er direkt Schnappatmung. Nach viel Erklären mit Händen und Füßen konnte Guido ihn dann überzeugen, dass es sich wirklich nur um Campinggaskartuschen handelt. Doch auch die Reiseapotheke wurde genauestens studiert: Da homöopathische Arnica-Globuli scheinbar noch nicht bis nach Russland vorgedrungen sind, bekam er auch hier Schnappatmung. Doch Guido konnte ihn abermals davon überzeugen, dass es sich hierbei um keine Drogen oder gar Sprengstoffkügelchen handelt.

Kurzetappe 2: Posen like Lenin

JUCHU-wir alle haben die Grenze geschafft und sind tatsächlich in Russland. Auf der Buckelpiste geht es zunächst nach Murmansk, doch Russland präsentiert sich bis dahin nicht gerade von seiner schönsten Seite. Einerseits eine wunderschöne Landschaft sind wir aber doch entsetzt über den allgemeinen Zustand der Städte, Infrastruktur und Lebenshaltung. Doch die Hälfte derer denen wir begegnen, begrüßen uns herzlich und zeigen große Hilfsbereitschaft. Und so schaffen wir es in Murmansk in einem russischen Kafe einen Caffee Americano und zwei Stück Quiche zum Mitnehmen zu bestellen.  Vor lauter "Sbassibo" muss die Bäckereiverkäuferin richtig lachen und schenkt uns noch drei russische selbstgebackene Plätzchen. Und sogar eine SIM-Karte können wir und alle anderen Teams im Supermarkt um die Ecke ergattern. Jetzt gibt es unbeschränktes Datenvolumen für 7€ - das sollte mal jemand der Deutschen Telekom erzählen. Die Tagesaufgabe (Finde den ersten russischen nuklearen Eisbrecher) und auch eine weitere Sonderaufgabe - Posing a lá Lenin vor dessen Statue- ist geschafft. Jetzt geht es weiter Richtung Kandalaksha.

Kurzetappe 3: Wild Camping - leider Fehlanzeige

Heute sind wir leider nicht mutig, denn wir entschließen uns nochmal in einem Motel unterzukommen. Nachdem die ganze Anspannung von der Einreise abgefallen und die Aufgaben alle erledigt sind, sind wir so unglaublich müde, dass wir kaum noch die Augen offen halten können. Und aus Sicherheitsgründen freuen wir uns daher auf ein Zimmer im Hostel abseits der Innenstadt von Kandalaksha. Spokoynoy nochi!

Tag 10 - Strand, Sonne und russische Kartoffeln

Kurzetappe 1: Da steht ne Kuh an der Tanke

Das hat richtig gut getan. Nach 5Std Tiefschlaf heißt es: Abflug Richtung Petrosawodsk. Gefrühstückt wird unterwegs, denn zur Abwechslung müssen wir heute mal wieder ordentlich  Strecke machen. Auf der P21 geht es knapp 700km immer geradeaus Richtung Süden. Doch wir werden nicht nur über das SAC Tracking erfasst, sondern auch die Russen sind unsere stetigen Begleiter. Denn nach ca. 100km kommt stets ein Kamera-Spot mit Tempo 50. Big Brother is watching you. Und wenn wir nicht gerade beobachtet werden, staunen wir über halsbrecherische Überholmanöver und Kühe, die uns beim Tanken begrüßen. 

Kurzetappe 2: Fehlt nur noch der Schirmchen-Drink

In Petrosawodsk angekommen, werden wir von Schlaglöchern und Bahnübergängen begrüßt, die die Spurstangen unseres G'Oldies zum Ächzen und Stöhnen bringen. Doch das Ganze hat sich gelohnt, als wir an der Promenade direkt auf das Ufer des Onegasees blicken. Bei blauen Himmel, Sonnenschein und einer angenehmen Brise machen wir die obligatorischen Touri-Bilder an den Statuen, die entlang der Promenade verteilt sind. Von Partnerstädten gespendet sieht man u.a. die Statue von Peter dem Großen, Gründer der Stadt. Hier wären wir gerne länger geblieben, doch die Zeit sitzt uns mal wieder im Nacken. Und die Tagesaufgabe muss ja schließlich auch noch erledigt werden.

Kurzetappe 3: Lustige Gastfreundschaft im russischen Randbezirk

Die heutige Tagesaufgabe ist eine echte Herausforderung, aber wir wollen es schaffen. Nach ein paar Fehlversuchen treffen wir am Stadtrand auf Irina und Olga. Und zum Glück kann Irina ein wenig englisch. Dank Irinas Englischkenntnissen und unserer Russischen Übersetzung der Tagesaufgabe gesponsert von Fredes Mama (Vielen lieben Dank an dieser Stelle nochmal) können wir beide Mädels überzeugen uns zu unterstützen. Und was für ein Glück, das wir ausgerechnet vor einem kleinen Supermarkt: Schnell sind frische russische Kartoffeln gekauft, geschält und geschnitten. In der Zwischenzeit überzeugt Irina den Pub-Besitzer Nick - der Pub ist nämlich zufälligerweise gleich um die Ecke - unsere frisch gekauften Kartoffeln gegen Wodka zu tauschen. Und so finden wir uns nach langer Vorbereitungszeit am gedeckten Tisch mit Irina, Olga und Nick wieder: Vor uns die geschälten Kartoffeln in scharfen Paprikaeintopf stoßen wir mit einem Glas Wodka an. Und für alle die an dieser Stelle in Panik ausbrechen: Natürlich haben wir nicht mit echten Wodka angestoßen, sondern mit Wasser. Denn es geht ja schließlich noch weiter nach St. Petersburg.

Kurzetappe 4: Köln/Düsseldorf, Ihr könnt einpacken!

Laut Guido liegen wir gut in der Zeit und daher packen wir die nächste 425km Etappe nach St. Petersburg an. Auf der E105 geht es direkt ins Stadtzentrum von St. Petersburg- doch der Verkehrsgott macht uns 150km vorm Ziel einen Strich durch die Rechnung. Durch Straßenbauarbeiten auf der E105 ist nur noch ein Fahrzeugstreifen befahrbar-selbstverständlich für beide Richtungen. Also wird dieser einzig verbliebene Fahrstreifen abwechselnd geöffnet-doch die Russen nehmen das nich so ernst mit dem "Brav in der Schlange anstellen". Während wir warten, dass wir mit dem nächsten Schwung die Baustelle passieren können, werden wir links und rechts überholt. Denn warten kann hier irgendwie keiner. Und so heisst es für uns knappe drei Stunden Stillstand bevor wir endlich die Baustelle hinter uns lassen können. Wir sind uns einig: Gegen diese russische Baustellenlogik kommt Köln/Düsseldorf nicht an!

Kurzetappe 5: Today is tomorrow

Unter klarem Sternenhimmel empfängt uns St. Petersburg und glücklicherweise ist um diese Uhrzeit nix los. So erhalten wir ungehinderten Einblick auf eine beeindruckende Architektur die sich in der Neva spiegelt. Wir biegen auf eine der Hauptverkehrsadern ein: Auf der Suche nach den Dünen von Ligovsky. Doch der BeachClub liegt gut versteckt und so müssen wir zweimal im gefühlt sechsspurigen Kreisverkehr wenden. Dabei nehmen wir es natürlich sportlich: Von ganz rechts auf die linke innerste Spur - schließlich ist ja keiner da. Bis auf die Polizei die beide Male überlegen, ob sie uns überprüfen wollen. Ganz getreu dem Motto "Was lange währt, wird endlich gut" finden wir dann den BeachClub a lá Russia Style: Im Hinterhof eines Distrikts von der Lenina Prospekt treffen wir die Barkeeper an. Die wollen gerade schließen und uns auf die morgige Party vertrösten. Doch Guido ist sehr müde und erklärt bestimmt: "No, no, no. Today is tomorrow" und klopfte dabei mehrmals auf seine Armbanduhr. Wir ergattern die Marken als Beweis, dass wir dort waren und haben diese Tagesaufgabe nun auch erledigt.
An dieser Stelle tut es uns leid, falls wir unsere Leser wieder enttäuschen müssen. Doch in St. Petersburg gibt es wirklich keinen Wild Camping Spot, es sei denn man stellt sein Zelt mitten auf einer Verkehrsinsel auf. Das wäre einerseits  zwar kreativ aber andererseits einfach zu riskant. Also kommen wir im Betonklotz "Hotel Neptun" unter - ein Hotel mit russischen vier Sternen und definitiv in den 70er hängen geblieben. Beim Anblick des Zimmers wissen wir gar nicht, was wir ekliger finden. Die rostige Dusche oder der muffige Katzengeruch. Als Guido dann noch eine angerissene Plastikpackung auf seinem Nachttisch findet, fragt er: "Schatz, sag mir bitte, dass das keine angebrochene Kondompackung ist." Aber dank Schlafmangel sind wir pragmatisch. Es ist ein Bett - das reicht. Und so machen wir einfach die Augen zu und schlafen beide wie ein Stein ein.

Tag 11 - Perfekte Aussicht mit großem Schrecken

Kurzetappe 1: Mit unserem G'Oldie beim Lada Händler

Um elf Uhr werden wir wach. Der Blick aus dem Fenster: Es regnet nasse Hunde bei grauem Himmel. Eigentlich war der Plan sich die Stadt heute anzuschauen, aber das Wetter wird und wird nicht besser. Also entscheiden wir traurig, dass eine Sightseeing-Tour so einfach keinen Spaß macht. Nach zwei Stunden durch absolutes Verkehrschaos - zwischenzeitlich drohte sogar der totale Verkehrsinfarkt - verlassen wir St. Petersburg. Wir wissen noch nicht, ob wir wirklich wiederkommen werden. Wenn, dann auf jeden  Fall mit Allrad und guten Stoßdämpfern, um die kraterartigen Schlaglöchern zu überleben.
Jetzt heißt das Ziel: Raudsilla im Laheema Nationalpark in Estland. Auf der A180 Richtung Ivangorod/Narva legen wir aber noch einen kurzen Stop beim Lada Autohändler ein. Schließlich wartet der gute finnische Wodka von Miina noch darauf einen russischen Besitzer zu finden. Vor Ort treffen wir auf fünf russische "Sales Manager" und versuchen mit Google Translator und Händen und Füßen unser Anliegen zu erklären. Wir ernten abwechselnd skeptische Blicke und lautes Lachen, kriegen unseren Wodka letztendlich jedoch gegen einen funkelnagelneuen Feuerlöscher getauscht. Wir verlassen das Autohaus, leicht irritiert aber immerhin: Wir haben trotz mangelnder Russischkenntnisse einen Tausch geschafft.

Kurzetappe 2: Zivilisation, we are back!

Angekommen in Narva lassen uns die russischen Grenzbeamte problemlos auschecken und die Esten heißen uns auf Deutsch willkommen. Und auch der Sommer ist endlich da. Bei Sonne,  blauem Himmel und 25Grad machen wir direkt beim nächsten Supermarkt Stop. Es fühlt sich fast wie in Deutschland an - Paulaner Weißbier und Kinderschokolade, alles ist vorhanden. Und dann kann Frede nicht widerstehen: Nach so vielen Tagen mit Honig und/oder Chemie-Schmelzkäse gibt es ab jetzt wieder Nutella. Und so wandert "Emu" als auch frisches Obst (Bananen und Äpfel) direkt in das Einkaufskörbchen. So geht es weiter auf der E20 vorbei an Kohtla Järve, Rakvere und hoch nach Käsmu am Strand zum finnischen Golf.

Kurzetappe 3: Caesarsalad & Grilled Chicken

Wir staunen über die wunderschöne Landschaft in Estland. Das Land haben wir definitiv unterschätzt. In Võsu - einem kleinen idyllischen Feriendörfchen - machen wir Stop in einem kleinen unscheinbaren Restaurant. Scheinbar sehen wir durstig aus: Ohne zu zögern bekommen wir ein kühles Blondes und den roten Hauswein. Das tut jetzt richtig gut! Und so bestellen wir direkt den Caesar Salad und das Grilled Chicken hinterher. In der Zwischenzeit kommen wir mit dem Inhaber ins Gespräch - plötzlich kommt er ganz stolz zurück an unseren Tisch, mit einer Flasche Estonian Liqueur und T-Shirt in der Hand. Er möchte uns unterstützen und so tauschen wir unseren russischen Feuerlöscher ein. Dann kommt endlich das Essen. Wir genießen das erste kulinarische Highlight auf dieser Reise bei typisch deutscher Kulisse. Mit nacktem Oberkörper und der Kettensäge in der Hand wird direkt gegenüber für Ordnung gesorgt. Wir müssen lachen: Irgendwie wie zu Hause!

Kurzetappe 4: Der Schock sitzt erstmal tief!

Gut gestärkt fahren wir hoch nach Käsmu und finden den perfekten Camping-Spot. Doch die Freude ist getrübt, denn nachdem wir schon die letzten Tage ein immer stärker zunehmendes Rasseln aus dem Motorraum gehört haben, steht nun fest: Das Rad vom Keilriemen der Vakuumdruckpumpe ist so stark ausgeschlagen, dass wir fast im gesamten Motorraum Öl vorfinden. Guidos Erstdiagnose: Hiermit ist unsere Fahrt beendet. Doch zum Glück gibt es WhatsApp und nach kurzer Rücksprache mit Jörg - dem Arzt unseres G'Oldies - gibt es halbwegs Entwarnung. Wir demontieren den Keilriemen und legen damit unseren Bremskraftverstärker still. Zum Glück sollten wir damit die verbleibenden Etappen noch schaffen, allerdings gibt es keinen Fahrerwechsel mehr, denn ab jetzt zählt pure Muskelkraft um unser altes Schätzchen zum Stehen zu bringen. Der anschließende Zeltaufbau lässt uns den Schock einigermaßen verdauen und wir genießen beim gemeinsam Glas Rotwein noch den Sonnenuntergang am Wasser.

Tag 12 - Wikinger Wald Festival

Kurzetappe 1: Aufwachen und aufstehen bei Sommer & Sonne pur

Heute können wir es entspannt angehen lassen. Ohne Zeitdruck genießen wir Kaffee und Frühstück am See. Und da der größte Teil der Rallye bereits hinter uns liegt, nehmen wir uns die Zeit, unseren G'Oldie mal richtig aufzuräumen. Einmal Kofferraum leer und wieder voll und siehe da: Super optimiert befindet sich jetzt nur noch eine Lage Gepäck auf der Rücksitzbank. 

Kurzetappe 2: Fröhliches Team-Wiedersehen am Party-Camping-Spot

Nach kurzer Offroad-Piste durch die Wälder im Laheema Naturreservat finden wir abgelegen den gut versteckten Rallye-Party-Hot-Spot. Hier erwarten uns zwei Saunen, Holzduschen und riesengroße Holz-Tippi. Wir sind früh dran und können uns direkt einen guten Zeltplatz für uns und Team Likedeeler, Polarkreisverkehr und GinTourismo sichern. Und bei einem Nachmittagswein mit Käse und Kräcker warten wir dann auf die anderen Teams. Als nacheinander die altbekannten Gesichter eintreffen ist die Freude dann riesengroß und begeistert werden lustige, skurrile und erschreckende Reiseerlebnisse erzählt. Um halb sieben heißt es dann: Get the party started.

Kurzetappe 3: Betrunkene Sauna-Mücken

Nachdem das erste Bier getankt ist (schießt Allen sofort in den Kopf) und die Esten eine traditionelle Tanzaufführung präsentiert haben, haben wir Hunger. Um halb neun stürzen wir uns auf das Buffet, Frede ganz weit vorne weg. Es gibt landestypisches Essen: Würstchen, Sauerkraut, gegrillte Kartoffeln, saure Gurken, Krautsalat, Sardinen, Heringssalat und dunkles Brot. Draußen gibt es dann ein lustiges Beisammensein mit allen Rallyeteams und irgendwann verlegen wir unser Get-Together Richtung Zelt, wo wir noch einen feucht-fröhlichen Abend mit Team Likedeeler, GinTourismo, Polarkreisverkehr und Schlibo verbringen. Dank viel Nobite Spray, Knoblauchbrot und Anti-Brumm können wir die Mücken einigermaßen in Schach halten. Wobei die andere Hälfte der Mücken wahrscheinlich bereits torkelnd von Sauna zu Sauna schwirrte.

Tag 13 - Endlose Suche mit Luxus Finish

Kurzetappe 1: Auf nach Talinn

Die Partynacht war lang - zwar nicht für uns aber an Schlaf war trotzdem nicht zu denken. Völlig übermüdet raffen wir uns früh Morgens auf unseren Krempel zu packen. Die Mücken hatten leider auch schon genug Zeit auszunüchtern und so wurden Fredes Beine komplett zerstochen. Da die anderen Teams noch schliefen, galt es möglichst leise zu sein. Nicht gerade einfach wenn man unter Angriff der Killermücken das Zelt von Polarkreisverkehr halten muss, damit wir unser Auto ausparken können. Und dann geht es schon direkt nach Talinn - beim Campingplatz in der Innenstadt dürfen wir kostenlos die sanitären Anlagen nutzen. Frisch geduscht über die Landkarte gebeugt müssen wir leider feststellen, dass für Sightseeing vor Ort mal wieder keine Zeit bleibt. Aber wir werden auf jeden Fall wiederkommen. Also heißt es jetzt: Auf nach Riga.

Kurzetappe 2: Das nennt man dann wohl Anstiftung zum Hausfriedensbruch

Bevor es knapp 400km nach Riga geht, wartet noch unsere heutige Tagesaufgabe auf uns. Im ehemaligen Unterwassergefängnis bei Rummu wartet nicht nur ein erfrischendes Bad im glasklaren Wasser auf uns, sondern auch eine Buckelpiste mit kraterartigen Pfützen unerkennbar wie tief diese sind. Nachdem wir dieses Risiko zunächst nicht eingehen wollten, fassen wir uns dann doch ans Herz und wagen den Versuch. Haben wir bei der Einfahrt noch zweimal leicht aufgesetzt, so war die Ausfahrt dann schon deutlich besser. Tja, Lernkurve eben. 
Um zum See vorzudringen galt es das umzäunte und gesperrte Gebiet erstmal zu durchdringen. Hinter dem riesigen Sandberg wartete dann die Ruine im Wasser - eine traumhafte Kulisse mit kristallklarem Nass. Nach dem Bad war der Fahrer dann endgültig fit und es ging wieder zurück auf die Piste.

Kurzetappe 3: Riga, schön aber dem Verkehrsinfarkt ähnlich nah

Auf der E67 an Pärnu vorbei geht es auf direkten Weg nach Riga. Zur idealen Feierabendzeit haben wir dann zwei Stunden Spaß in der Rush-Hour. Aber durch das ewige Stop and Go durch die halbe Innenstadt fühlt es sich fast wie eine Sightseeing-Tour an, nur der Reiseführer mit Mikro fehlt an dieser Stelle. Wir beschließen die Stadt zu verlassen und begeben uns auf die Suche nach einem Wild-Camping-Spot. Doch leichter gesagt als getan. Nach zwei weiteren kräftezehrenden Stunden mit einem gefundenen Campingplatz der schlappe 22,50€ für Zelt im Wiesenkäfig verlangt, geben wir erschöpft auf. Um zehn Uhr abends checken wir im nächstbesten preisgünstigen Hotel ein. 

Kurzetappe 4: Public Viewing und Deluxe Dinner

Wir sind im scheinbar Super-In-Ferienort Jurmala gelandet, wo feinster Endlos-Sandstrand auf uns wartet. Jetzt freuen wir uns irgendwie doch darüber, hier gestrandet zu sein und der Frust über das Nicht-Campen ist dann schnell verflogen. Im Restaurant setzt sich der positive Abend fort. Nachdem wir die Speisekarte, die so dick wie ein 400 Seiten Roman war, studiert haben, ist die Entscheidung gefallen: Es gab Avocado Hering Salat zur Vorspeise und gebackene Lammkeulen in der Gemüse-Kartoffel-Pfanne für Guido und Lachs in Orangen-Rotwein Sauce für Frede zum Hauptgang. Und vom Balkon des Restaurants haben wir entspannt die erste Halbzeit des EM-Spiels Polen-Portugal verfolgt.

Tag 14 - Gedämpftes Jippieh, es geht wieder nach Russland

Kurzetappe 1: Gutes Frühstück, der Tag kann kommen

Das erste Mal keinen Kaffee selber kochen! Ausgeschlafen und entspannt genießen wir das Hotelfrühstück und nochmal die frische Luft bei einem kurzen Abstecher zum Strand. Dort findet sich sogar benötigtes Holzmaterial für unsere heutige Tagesaufgabe. 

Kurzetappe 2:  Wo sollen denn hier die Ziegen sein?

Wir haben noch immer keinen Goat-G'Oldie Driver gefunden.  Doch Google sei Dank scheint eine Ziegenfarm versteckt zwischen Ozolnieki und Jelgava zu sein. Versteckt ist allerdings das richtige Wort. Nachdem wir den gleichen Bahnübergang ungefähr vier Mal überquert haben, und die Bauarbeiter uns dort bereits auslachen, finden wir nach fast einstündiger Suche endlich die Farm. Vor Ort können wir direkt mit dem Farmmanager sprechen: Augustus, einen ca. 13 Jahre alten Jungen der super Englisch versteht und sofort Feuer und Flamme ist. Mit der Ziege auf dem Arm ist das Foto schnell gemacht und auch unseren Likör aus Estland können wir erfolgreich tauschen. Alles argwöhnisch von seinem Opa beobachtet!

Kurzetappe 3: Big Cross for Big Dreams!

Hör mal wer da hämmert: Wir lassen der Kreativität freien Lauf und basteln uns aus Holz, Nägeln, Kordel und Edding ein Kreuz, dass wir bei Siaulia auf dem Kryziu kalnas aufstellen. Dieser künstlich angelegte Hügel ist ein katholisch und touristisch geprägter Wallfahrtsort. Mit dem Aufstellen unseres Kreuzers tun wir es tausend anderen Pilgern nach: Getreu unserem Rallye Motto "Gegen das Vergessen" wünschen wir uns anhaltende Liebe und Gesundheit. Zurück zum Auto geht es vorbei an drei deutschen Touri-Rentner-Bussen, die den Ort auch für eine Kaffe-Keks-Pause nutzen. Doch auch ausreichend Vorrat an Underberg-Schnäpsen steht bereit. Wir grüßen und müssen einfach lachen: Wir Deutsche sind schon ein lustiges und unverkennbares Völkchen.

Kurzetappe 4: Auch Litauen haben wir unterschätzt

Über die E272 geht es bei 30Grad gen Südwesten nach Klaipéda, vorbei an einer malerischen Altstadtkulisse. Die Verkehrsführung ist jedoch nicht immer so einfach. Und so finden wir uns plötzlich auf einer Fähre wieder. Frede leicht nervös: "Wo fahren wir denn jetzt hin?" Guido pragmatisch wie eh und je: "Das werden wir spätestens dann wissen, wenn wir die Fähre wieder verlassen." Nach 10minütiger Überfahrt ist uns dann klar, dass die gedachte Brücke auf der Karte eine Fährverbindung ist und uns für schlappe 11€ von der Stadt auf die Kurische Nehrung bringt, eine 98km lange Halbinsel an der Nordküste des Samlands. Entlang der Baltischen See geht es bis nach Kaliningrad. Doch vorher legen wir kurzen Stop in Niva ein - ein ganz unerwartetes, verborgenes  Segeldörfchen, für das wir leider viel zu wenig Zeit mitbringen. Zwar reicht es für einen kurzen Schnack unter Seglern, doch dann müssen wir wieder weiter.  Also ein weiterer Spot, an den wir wieder kommen wollen.

Kurzetappe 5: Das Launebarometer fällt

Kurz vor der russischen Grenze kommen uns bereits die ersten Rallye-Teams wieder entgegen, um lieber den Umweg über Litauen nach Polen als Endlos-Warten in Kauf zu nehmen. Wir überlegen auch erst, entscheiden uns dann aber doch für ein zweites Mal Russisch Roulette. Gemeinsam mit vielen anderen Teams u.a. Likedeeler, Polarkreisverkehr und GinTourismo  versuchen wir uns die Zeit zu vertreiben. Nach zwei Stunden Komplett-Stillstand war die Idee groß, den Grill auszupacken. Doch da uns das dann doch zu heikel war, gab es stattdessen Kümmelbrot mit Chemie-Schmelzkäse und Ketchup. 
Nach über vier Stunden ist es dann endlich geschafft. Und uns wird auch klar, warum das Ganze so lange gedauert hat: Ca. 500Meter hinter der Grenze stehen zwei russische Beamte, die Eintritt für den Nationalpark verlangen. Da man diesen nicht umfahren kann und wir leicht einzuschüchtern sind, zahlen wir lieber. Unsere Hypothese: Wenn die Beamten an der Grenze da mal nicht Lunte gerochen haben und spontan einen Nationalparkeingang eröffnet haben. Bei ca. 150 Rallye Teams war das bestimmt ein lohnender Abend. Böse ist, wer Böses denkt.

Kurzetappe 6: Und täglich grüßt das Murmeltier

Spätabends erreichen wir Kaliningrad. Und wir fragen uns: Im Ernst jetzt, auch hier sieht es aus wie zuvor in Murmansk und Co? Immerhin können wir wieder günstig tanken und dann gilt es über die weitere Nachtplanung zu entscheiden. Die anderen Teams wollen direkt wieder raus. Wir wollen Kaliningrad jedoch eine letzte Chance geben und bleiben für eine Nacht. Wild Camping ist aber auch hier Fehlanzeige. Also landen wir in einem günstigen Drei Sterne Hotel oder sollten wir eher sagen Drei Stunden Hotel? Immerhin ist das Zimmer super modern eingerichtet, was uns dann irgendwie doch erstaunt. Gute Nacht.

Tag 15 - Du kommst hier nicht rein, oder doch?

Kurzetappe 1: Inmitten zerfallener Infrastruktur herrscht strikte Kleiderordnung

In unserem Hotel gibt es leider kein Frühstück. Also beschließen wir ein kurzes Sightseeing Programm mit kurzem Stop in einem Café. Doch weit gefehlt. Zwar machen wir bei Peter dem Großen, dem Olympiadenkmal, dem Königsberger Dom und dem Siegesplatz Halt, doch frühstücken lassen möchte man uns nicht. An der Tür werden wir ausgemustert: Sportshoes are forbidden. Gut, dann eben nicht Kaliningrad. Polen, wir kommen.

Kurzetappe 2: Charming Guido

Kein Scheiss, die Ausreise dauert nur zwei Stunden. Und dieses Mal sind Medikamente und Gaskartuschen völlig uninteressant. Tja raus ist immer einfach als rein. Das bewahrheitet sich dann doppelt und dreifach bei den Polen. Vier Stunden dürfen wir bei 30Grad ohne jeglichen Schatten warten. Als es endlich soweit ist, sympathisiert Guido mit dem polnischen Grenzbeamten. Und ganz zur Freude der anderen 200 wartenden Fahrzeuge stellt der Grenzer dank Charmbolzen Guido die Ampel auf rot, kommt aus seinem Häuschen gekrochen und unterschreibt auf unserem G'Oldie. Eine Unterschrift von nur einem finnischen Grenzbeamten ist ja schließlich nix. Mit dem persönlichen polnischen Segen geht es dann endlich weiter.

Kurzetappe 3: In Elbing bringen wir den Drucker zum Glühen

Jetzt heißt es Sputen. In Elbing steuern wir Rossmann an, um unsere Fotos für das Roadbook zu entwickeln. Nachdem die ersten 30Fotos leider alle mit dickem Balken gedruckt worden sind, dürfen wir das ganze Prozedere wiederholen. Nur mit dem Unterschied die relevanten Fotos jetzt von über 2.000Bildern auf der SD Karte unserer Kamera auszuwählen. Das dauert und da bekommen wir ein richtig schlechtes Gewissen: Das Mädchen hinter uns muss eine knappe Stunde warten, bis auch sie endlich ihren Schnappschuss ausdrucken kann. 
Da das Frühstück bis zu diesem Zeitpunkt auf sich warten ließ und unser Magen mittlerweile einer verschrumpelten Rosine glich, steuern wir McDonalds um die Ecke an. Lange haben Burger und Chicken McNuggets nicht so gut geschmeckt wie heute.

Kurzetappe 4: Deutsch italienischer Krimi in Koszalin

Gut gestärkt machen wir uns wieder auf dem Weg. Mit dem fröhlichen Käpt'n Guido und der Bastel-Frede auf dem Beifahrersitz wird das Roadbook auf rollenden Rädern gestaltet, beklebt und bemalt. In Koszalin treffen wir dann zufällig auf ein großes Public Viewing. Hier schlagen wir unser Zelt auf und schauen zusammen mit den Polen bei Wein und Bier den deutsch italienischen Elf-Meter Krimi. 

Es ist vollbracht! Und als Überraschung der 3. Platz!

Tag 16 - Endspurt - immer der Elbstadt entgegen

Kurzetappe 1: Das eigentliche Abenteuer startet so richtig erst in Deutschland

Guten Morgen, raus den Federn und rein in die letzte Rallyeetappe. Nach gemeinsamen Frühstück und ca. 2,5 stündigen Blog hochladen geht es um 10Uhr los, die Nase immer Richtung Nordwesten gerichtet. Nach 50Litern russischen Sprit und keiner Tankstelle in Deutschland weit und breit, kommt unsere russische 10Liter Notreserve zum Einsatz. Unglaublich, selbst im Niemandsland gab es stets eine Tanke, nur Deutschland begrüßt uns mit schwacher Spritt- und Handynetzstruktur. Und dann ist Hamburg auch schon ausgeschildert. Wir checken das letzte Mal unseren Spendenstand und können an dieser Stelle bereits stolz verkünden: Wir haben 3.942,22EUR Spenden gesammelt. Und das Köpfen der Spardosen im Casucci, der Olive, in Gabys Beautystudio und bei H&R kommt ja erst noch. Wir danken nochmal an allen Spendern und freuen uns riesig eine so tolle Zahl in unser Roadbook eintragen zu können.

 

 

 

Kurzetappe 2: Finish Line - Glorious Granada Gang

 

 

 

Kurz vorm Fischmarkt der letzte Stop als Vorbereitung für die Finish Line: Guido getarnt als russischer UBoot Offizier mit ertauschter Fuchsfellmütze und Frede als norddeutsches Kind im roten Segelanzug symbolisieren wir die tolle Gastfreundschaft und das Kennenlernen von so unglaublich vielen, interessanten und unterschiedlichen Kulturen auf dieser Rallye. Laut hupend und mit Frede auf der Motorhaube fahren wir ins Ziel! Wir werden freudig von allen begrüßt und rollen auf den nächstbesten freien Parkplatz. Die Stimmung ist super! Alle sind aufgedreht und aufgekratzt: Darüber das wir es alle ins Ziel geschafft haben (übrigens auch Team 113) und so eine tolle gemeinsame Rallyezeit hatten. Dann geben wir unser Roadbook ab und nachdem wir mit jedem Team kurz geschnackt haben, verlassen wir den Hamburger Fischmarkt von dem wir vor 16Tagen gestartet sind. Es kommt uns einerseits wie gestern vor und andererseits als ob es bereits Monate her ist auf Grund der vielen bunten Erfahrungen.

 



 

Kurzetappe 3: Für den Erinnerungspfad bis aufs Treppchen

 


 

Wir steuern das Hotel an, machen uns kurz frisch und dann geht es auf direktem Weg zur heutigen Abschlussveranstaltung im alten Mädchen. Mit Team Polarkreisverkehr, Likedeeler und GinTourismo genießen wir bei Wein, Bier und Cola als auch deftiger Hamburger Bratwurst den Abend. Und dann startet auch schon die Siegerehrung und völlig überraschend und unerwartet wird Team Avilius aufgerufen: Wir haben tatsächlich den dritten Platz geschafft. Wir steigen auf die Mikrobühne aus Holzpaletten und finden zunächst gar keine Worte. Aber eins ist sofort klar: Wir sind unendlich dankbar für all die Unterstützung von unseren Sponsoren, Spendern, Familien und Freunden, dass wir für den Erinnerungspfad so eine tolle Erinnerung erfahren durften. Und auch mit den Teams Polarkreisverkehr, Likedeeler und GinTourismo haben wir so unglaublich tolle Menschen gefunden, mit denen wir auf jeden Fall in Kontakt bleiben werden. Das Nachtreffen ist bereits in Planung. Einfach nur stolz, befreit und lächelnd geht dieser Abend dann zu Ende. 

 

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